Kri­sen meis­tern: Machen Kri­sen kreativ?

Kri­sen meis­tern: Machen Kri­sen kreativ?

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Last Updated on 26. Novem­ber, 2020 by Manuela

Wie gehen wir mit per­sön­li­chen oder auch über­per­sön­li­chen Kri­sen um?

Fin­det ein Mensch nach einem Ereig­nis, das ihn in emo­tio­nale Tur­bu­len­zen bringt, krea­tive Wege und Optio­nen, auf die er sonst nicht gekom­men wäre?

Anders gewen­det: Machen Kri­sen erfin­de­risch? Kön­nen Kri­sen unser men­ta­les oder see­li­sches Poten­zial zu neuen Optio­nen und Lebens­mög­lich­kei­ten frei­lie­gen? Uns auf neue Ideen brin­gen, die uns wahr­haft inspi­rie­ren und deren Ver­wirk­li­chung nicht nur ein kur­zes Stroh­feuer in uns entfacht?

Eine pro­vo­ka­tive Frage, die lei­der (oder zum Glück) zu viele indi­vi­du­elle Fak­to­ren beinhal­tet, um sie mit einem ein­fa­chen Ja oder Nein zu beantworten.

Sicher ist: Kri­sen ber­gen ers­tens Gefah­ren und kön­nen zwei­tens unsere Krea­ti­vi­tät blockieren.

Zum Bei­spiel kann es pas­sie­ren, dass Kri­sen unser Sicht­feld ein­engen und unse­ren Blick für mög­li­che Lösun­gen trüben.

Dann ist vor allem wich­tig, die Angst nicht über­hand neh­men zu lassen.

Ein ent­las­ten­des Gespräch mit einer dafür geeig­ne­ten Per­son ist an die­ser Stelle oft das erste Mit­tel der Wahl. Auch wenn es man­chem von uns eine gehö­rige Por­tion Mut und Über­win­dung kos­ten mag, so ist doch der Gewinn fast immer viel größer.

 

Kri­sen als Impuls- und Ideengeber

Angst und Co. sind bei wei­tem nicht alles, was aus Kri­sen resul­tie­ren kann.

Denn län­ger­fris­tig betrach­tet, kön­nen uns Kri­sen viel öfter als es zuerst den Anschein hat, trotz aller Pro­bleme, Ängste und schlech­ten Gefühle wich­tige Impulse in Form von neuen Ideen und Mög­lich­kei­ten geben.

Oder uns auch auf bestehende Ungleich­ge­wichte auf­merk­sam machen und not­wen­dige Ver­än­de­run­gen ein­lei­ten. Sei es im Beruf, im Gesell­schaft­li­chen oder Privaten.

Kri­sen kön­nen vor­mals unge­ahnte Ent­wick­lungs­pro­zesse in Gang set­zen. Uns eine rei­fere Ein­stel­lung ver­mit­teln und manch­mal auch neue Betä­ti­gungs­fel­der und Lebens­wege eröff­nen, die wir im Nach­hin­ein nicht wür­den mis­sen wollen.

Die uns vor allem aus der Retro­per­spek­tive Sinn­haf­tig­keit ver­mit­teln. Und uns wäh­rend der Kri­sen­zeit nicht in Schock­starre ver­har­ren lassen.

Sei es das Leben einer (neuen) Beru­fung, die Refle­xion unse­rer Werte, die Arbeit an unse­rer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung oder die Gestal­tung einer erfüll­te­ren Part­ner­schaft bzw. die Schaf­fung ent­spre­chen­der Vor­aus­set­zun­gen, soweit sie in unse­rem Ein­fluss­be­reich liegen.

Oder ganz gene­rell mehr Acht­sam­keit für uns selbst und andere oder auch eine tie­fer emp­fun­dene Lebens­freude durch ein bewuss­te­res Leben.

Ich kenne zahl­rei­che Men­schen, die gestärkt aus Kri­sen her­vor­ge­gan­gen sind. Einige von ihnen haben ihrem Leben eine neue Rich­tung gege­ben oder sich mehr auf das für sie Wesent­li­che fokus­siert und man­che haben es sogar aller­erst entdeckt.

So para­dox es klingt: Auch wenn eine Krise durch Angst und Stress unsere Kräfte blo­ckie­ren kann, sind es doch oft gerade Kri­sen, die uns nicht nur die Not­wen­dig­keit, son­dern auch die Chance oder den viel­leicht längst über­fäl­li­gen Anlass zu einer Ver­än­de­rung geben.

Kri­sen durch­bre­chen den Alltag

Denn der Aus­nah­me­zu­stand, in den uns eine Krise ver­setzt, zwingt uns, neue Wege zu suchen und manch­mal auch not­wen­dige per­sön­li­che Ent­wick­lun­gen zu voll­zie­hen, die wir ohne Krise viel­leicht gar nicht gemacht hät­ten oder erst viel später.

Daher tun wir uns einen gro­ßen Gefal­len, wenn wir eine bestehende Krise als eine sol­che akzep­tie­ren und den Blick vor allem auf ihre Chan­cen rich­ten. Viel­leicht hast du es schon oft gehört und kannst es nicht mehr ab und doch ist es gerade im Bereich per­sön­li­cher und gesell­schaft­li­cher Kri­sen unend­lich kraftvoll:

Vie­les hängt nicht vom Ereig­nis selbst ab, son­dern davon, wie wir es bewer­ten und vor allem, wie wir mit ihm umgehen.

Bitte nicht falsch ver­ste­hen. Damit meine ich kei­nes­wegs, dass wir auf Teu­fel komm raus unsere gegen­wär­ti­gen Gefühle unter­drü­cken und um jeden Preis sofort die Chan­cen­brille auf­set­zen sol­len. (Dazu habe ich in einem ande­ren Bei­trag geschrie­ben: Das Gute im Schlech­ten sehen?)

 

 

6 Impulse für einen krea­ti­ven und selbst­be­stimm­ten Umgang mit Krisen

Im Fol­gen­den möchte ich mit sechs Impul­sen dazu bei­tra­gen, dass kraft dem Glau­ben an deine Selbst­wirk­sam­keit und durch deine per­sön­li­che Krea­ti­vi­tät Neues und Gutes für dich erwach­sen kann.

Wenn du das Gefühl hast, in einer Krise per­sön­li­che Unter­stüt­zung zu benö­ti­gen, greife unbe­dingt dar­auf zurück. Oft ist das ein wirk­lich erfolgs­ver­spre­chen­der Weg, der dir viel von dei­nem inne­ren Stress neh­men kann. Auch in die­sem Fall kann das Fol­gende beglei­tend dazu hilf­reich sein. Dir Anre­gun­gen dafür geben, was du jetzt gleich und in den nächs­ten Tagen für dich tun kannst.

 

1. Werde aktiv!

Zum Bei­spiel, indem du mit dei­nen intui­ti­ven und krea­ti­ven Kanä­len in Ver­bin­dung gehst.

Wie sehen Mög­lich­kei­ten dazu aus?

Etwa, indem du

  • ein dich berüh­ren­des oder inspi­rie­ren­des Buch liest,
  • ein Bild malst in einer Weise, die dir gut­tut, ohne irgend­ei­nen Leis­tungs­an­spruch zu hegen,
  • an dei­nem Kla­vier oder dei­ner Klampfe improvisierst,
  • eine Kunst­aus­stel­lung besuchst (es gibt auch virtuelle),
  • einen aus­gie­bi­gen Spa­zier­gang in der Natur machst,
  • deine Gedan­ken und Gefühle aufschreibst
  • oder sie in eine Geschichte verpackst.

Ver­meide frucht­lo­ses Grü­beln, vor allem Sätze, die mit “ich hätte” los­ge­hen. Und schau, so gut es dir mög­lich ist, kon­se­quent nach vorne.

 

2. Lass dich von dei­nen Träu­men inspirieren!

Träume im Schlaf sind oft flüch­tig. Schreibe sie auf, bevor du sie ver­gisst. Zumin­dest dann, wenn sie kei­nen bedroh­li­chen Inhalt haben.

Wel­che Impulse und Ideen hal­ten sie mög­li­cher­weise für dich bereit?

Man­chem Kri­sen­ge­beu­tel­ten ver­hilft das behut­same Nach­spü­ren und das sich Ein­las­sen auf seine Träume auf neue und mit­un­ter über­ra­schende Pfade.

Wenn diese Methode etwas für dich ist, habe Geduld und Kon­ti­nui­tät. Sei offen für alles. Doch über­for­dere dich nicht mit über­stei­ger­ten Erwartungen.

 

3. Gib der Krise Sinn!

Du stehst vor einem Scher­ben­hau­fen? Du fragst dich, warum aus­ge­rech­net dir das pas­sie­ren musste?

Frag statt­des­sen,

  • was dir deine Krise sagen könnte,
  • wel­chen Sinn sie für dein Leben hat,
  • und wenn du kei­nen siehst: Wel­chen Sinn wirst du ihr geben?  (Ein total wich­ti­ger Punkt, um ins Han­deln zu kom­men, statt in Schock­starre zu ver­blei­ben oder in Antriebs­lo­sig­keit zu versinken!)
  • Was kannst du aus dem Gesche­he­nen lernen?

Einen Sinn in dem zu sehen, was in unse­rem Leben geschieht und vor allem in dem, was wir tun, ist für unser nach­hal­ti­ges Glück zen­tral. Und nein, das ist kein alt­mo­di­scher Hut, son­dern es ist neben phi­lo­so­phi­schen Quel­len und wie­der­hol­ter Lebens­er­fah­rung auch eine Erkennt­nis moder­ner psy­cho­lo­gi­scher Forschung.

 

4. Nimm Kri­sen und Nie­der­la­gen als Ansporn!

Der Intel­li­genz- und Krea­ti­vi­täts­for­scher Howard Gard­ner hat her­aus­ge­fun­den, dass viele erfolg­rei­che und krea­tive Men­schen wie Marie Curie oder Albert Ein­stein schein­bar nega­tive Erfah­run­gen und Kri­sen kon­se­quent als Her­aus­for­de­run­gen gese­hen haben, um ihnen dann zuver­sicht­lich und wir­kungs­mäch­tig zu begegnen.

Sie haben trotz Miss­erfol­gen nicht auf­ge­ge­ben und an sich und ihre Krea­ti­vi­tät geglaubt. An das Gelin­gen ihres Vor­ha­bens und an den Wert ihres Tuns an sich. Das zeigt, wie kraft­voll es sein kann, wenn du dir ver­in­ner­lichst: Deine Ein­stel­lung zum Gesche­hen ist oft wich­ti­ger als das Gesche­hen selbst.

Ein zen­tra­ler Aspekt auch für ziel­füh­rende Lebens­kunst und krea­tive Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung.

 

5. Deine Welt steht kopf?

Nutze die Gele­gen­heit und ver­än­dere, was dich schon lange stört. Schau, wo dein Hebel ist.

  • Was liegt bei dir?
  • Was kannst du beeinflussen?
  • In wel­che Rich­tung willst du dein Leben steuern?
  • Wer kann dich dabei unterstützen?
  • Was ist der erste Schritt, den du sofort tun kannst?
  • Ist Gegen­wind zu erwar­ten, auf den du dich vor­be­rei­ten kannst?

Und ganz wich­tig: Prak­ti­ziere Mit­ge­fühl mit dir selbst. Sei dir selbst ein guter Freund!

 

6. Trau dich, neue Wege zu gehen!

Setz dir keine zu engen Gren­zen, son­dern erlaube dir zu träu­men und lote dann aus, was mög­lich ist.

Auch wenn du zuerst skep­tisch und vol­ler Zwei­fel bist und es nicht für wahr hal­ten kannst: Oft ist das, was mög­lich ist, viel mehr, als du zunächst glaubst.

Sei zuver­sicht­lich und ver­trau dei­ner Kraft und urei­ge­nen Krea­ti­vi­tät. Lau­sche dei­ner inne­ren Stimme. Nicht ver­krampft, son­dern spie­le­risch. Auch wenn es dir ver­geb­lich erschei­nen mag: Lass es zumin­dest auf einen Ver­such ankommen.

Denn gar nicht so sel­ten nach Kri­sen: Viel­leicht beginnt nach der Zeit des Schmer­zes, des Los­las­sens, des Umbruchs in all sei­nen Facet­ten ein neuer Weg der Freude und Erfül­lung, den du davor nie für mög­lich gehal­ten hättest.

 

 

Bild: ger­alt

 

2 Antworten

  1. Marion
    | Antworten

    Die Erfah­rung, dass man einer Krise im Nach­hin­ein oft etwas Posi­ti­ves abge­win­nen kann, habe ich auch schon gemacht und ebenso das Gefühl der völ­li­gen Läh­mung wäh­rend der Krise! Inso­fern finde ich die kon­kre­ten Tipps zum Umgang mit einer Krise äußerst sinn­voll! Ich hoffe, sie kom­men mir bei der nächs­ten Krise in den Sinn!

    • Manuela Sekler
      | Antworten

      Vie­len Dank dafür, dass du uns an dei­nen Erfah­run­gen mit Kri­sen teil­ha­ben lässt.
      Außer­dem freut mich natür­lich sehr, dass dir meine Tipps zusagen.
      Ich wün­sche dir alles Beste und einen erfolg­rei­chen Umgang mit der nächs­ten Krise.
      Vor allem eine kür­zere Zeit der Läh­mung, indem du für dich pas­sende Stra­te­gien anwendest.

      Liebe Grüße
      Manuela

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