Glücklich werden als Kunst und Lebenselixier

Glücklich werden als Kunst und Lebenselixier

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“Glücklich zu leben wünscht jedermann; aber die Grundlagen erkennt fast niemand.”

(Seneca: Vom glückseligen Leben)

Ob der zweite Teil des Zitats in dieser Zuspitzung zutrifft oder ob er jemals so zutraf, sei hier einmal dahingestellt. Fakt ist, dass wohl die meisten Menschen den ersten Teil für sich unterschreiben würden, aber es bei den Grundlagen für ein glückliches Leben bei vielen noch reichlich Spielraum gibt.

 

Wie glücklich fühlst du dich?

Wie geht es dir mit diesem Thema? Bist du meistens glücklich und zufrieden oder fühlst du dich relativ oft unglücklich, ohne dass es an einer ganz bestimmten Sache läge, die du verändern könntest? Du hast zum Beispiel kein Beziehungsproblem, das sich nicht durch ein klärendes Gespräch lösen lässt, keinen Dauerfrust im Job als Folge einer unpassenden oder nicht mehr passenden Berufsentscheidung und auch keinen Partner, den du besser an die Luft setzen solltest?

Dann könnte dich das Folgende weiterbringen. Wenn du an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie) erkrankt bist beziehungsweise einen entsprechenden Verdacht hast, empfehle ich dir darüber hinaus therapeutische Abklärung und Hilfe.

 

Glücklicher werden durch günstigere Haltungen

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sich weitaus häufiger eher unglücklich als glücklich fühlen oder deren überwiegende Befindlichkeit eher mau ist, ohne dass sie näher erklären könnten, woran das liegt. Manchmal ergibt sich dann nach einigem Nachfragen, dass doch eine bestimmte Sache im Argen liegt, die bearbeitet werden kann. Doch manchmal liegen die Gründe auch in einem glücksverhindernden Mindset.

Und weißt du was, damit stehen sie absolut nicht allein. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass es zumindest hin und wieder uns allen so geht. Hier ein paar Beispiele:

  • Indem wir uns mit anderen Menschen in Bereichen vergleichen, in denen diese einfach viel günstigere Voraussetzungen haben.
  • Wir verschlechtern unser Befinden, indem wir unseren Blick wieder einmal auf Dinge richten, die nicht oder kaum veränderbar sind.
  • Indem wir uns maßlos über einen verpassten Zug ärgern, ohne dass Termindruck besteht. Und dadurch die Gelegenheit für einen Spaziergang im nahe gelegenen Park übersehen oder für einen Besuch in der gut sortierten Buchhandlung.

 

Wir haben Spielräume, um glücklicher zu werden

Dass wir unserem Glück oft selbst im Weg stehen ist auf der einen Seite natürlich bedauerlich, auf der anderen ist es eine gute Nachricht. Denn sie beinhaltet, dass es so nicht bleiben muss. Ziemlich oft könnten wir mit einfachen Mitteln viel glücklicher sein, als wir es sind.

Ein erster Schritt dazu wäre etwa der: Indem wir uns jetzt dafür entscheiden, von nun an unsere Spielräume für ein glücklicheres Leben besser zu nutzen. “Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.” Ich glaube an diesem Satz von Abraham Lincoln ist einiges dran.

Ein glücklicheres Leben lässt sich auch viel leichter realisieren, wenn wir insgesamt mehr auf unsere Gedanken und Gefühle achten. Und mehr darauf achten, wie wir wahrnehmen, wie wir etwas interpretieren und wie wir mit anderen Menschen umgehen.

Auch ein gelegentliches ehrliches Lächeln soll nicht schaden. Nicht nur, weil es freundlich wirkt und Beziehungen erleichtert, sondern weil es darüber hinaus uns selbst mental und körperlich entspannt.

 

Glücklich werden nicht auf Knopfdruck, aber mit gutem Willen mehr und mehr

Um hier nicht missverstanden zu werden. Ich behaupte nicht, dass mehr Achtsamkeit und Bewusstheit in den genannten Bereichen in jedem Fall und quasi von Zauberhand glücklicher machen. Das wäre dann doch der Komplexität unterschiedlicher Faktoren zu wenig Achtung geschenkt.

Und doch bleibt wahr, dass das Kennen und vor allem Verinnerlichen eines glücksförderlichen Mindsets in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzende und vor allem prinzipiell in uns selbst verfügbare Mittel für ein glücklicheres Leben bereitstellt. Was dann noch wichtig ist, ist ihre wiederholte, engagierte und zugleich besonnene Anwendung bei sich bietenden Gelegenheiten im Alltag.

Letzteres meint auch die Einsicht, einen glücklicheren Gemütszustand nicht auf Teufel komm raus erzwingen zu können. Das heißt also, die Sache mit dem Glück und den glücksförderlichen Haltungen beherzt ins Rollen bringen, aber entspannt und nicht verbissen.

Klingt ganz schön kompliziert, magst du jetzt vielleicht denken. Das ist es nicht wirklich. Zumindest dann nicht, wenn du die folgenden Glücksbooster verinnerlichst und einübst.

Sie helfen deinem Glücksempfinden nicht nur auf die Sprünge, sondern unterstützen dich vor allem dabei, nachhaltig und langfristig glücklicher zu werden. Glücksbooster mit Langzeitwirkung also – und meines Wissens ohne Nebenwirkungen.;-)

 

 

Glücklich werden mit einem glücksförderlichen Mindset – drei Glücksbooster für ein glücklicheres Leben

 

Glücklich werden – Glücksbooster Nr. 1: Versuche nicht krampfhaft, glücklich zu werden.

Ich hatte es bereits angesprochen. Es ist wichtig zu verstehen, dass es oft unglücklicher macht, wenn wir versuchen, dem Glück nachzurennen. Ein glücklicher Gemütszustand tritt viel eher dann ein, wenn wir uns nicht darauf versteifen, glücklich sein zu wollen.

Vielleicht wunderst du dich an dieser Stelle, weil ich weiter oben geschrieben habe, dass wir selbst etwas für unser Glück tun können, indem wir uns dafür entscheiden, glücklich sein zu wollen. Diese mögliche Verwunderung verstehe ich und doch gibt es hier keine sich widersprechenden Dinge. Die Entscheidung für ein glücklicheres Leben ist nicht das Gleiche, wie das Glück erzwingen zu wollen und darüber das Leben selbst zu vergessen.

Uns für ein glücklicheres Leben einsetzen können wir dagegen sehr wohl. Und hierfür ist es sehr hilfreich, glücksförderliche Haltungen zu lernen und zu pflegen. Unter anderem eben auch ganz wichtig die, das Glück nicht erzwingen zu wollen…

 

Glücklich werden – Glücksbooster Nr. 2: Bring öfter Flow und innere Freiheit in dein Leben!

Es hilft dabei, glücklicher zu werden, wenn wir uns immer öfter ganz auf das konzentrieren, was wir gerade tun. Wenn wir ganz in dem aufgehen, wobei wir im jeweiligen Moment sind und weniger daran denken, wie wir uns gerade fühlen, oder wie wir bei anderen Menschen ankommen.

Diese unsere häufige Sorge, dass andere einen schlechten Eindruck von uns bekommen könnten, ist viel zu oft Gegenstand unfruchtbarer Gedanken und verhindert Glück und Lebendigkeit. Sie kostet Energie, die wir viel sinnvoller in unser Tun investieren könnten.

 

 

Glücklich werden – Glücksbooster Nr. 3: Pflege ein kluges Erwartungsmanagement.

Insbesondere von eher pessimistischen Zeitgenossen wird uns ja gerne mal eingeschärft: Erwarte nicht zu viel, sonst wirst du nur enttäuscht. Nur wer nichts erwartet, könne auch nicht enttäuscht werden.

Ich weiß jetzt nicht, wie es dir damit geht, aber für mich klingt diese Einstellung ziemlich resignativ, Lebensfreude sabotierend und nach lauer Suppenbrühe. Wo bleibt da die Begeisterung und Offenheit für das Leben und für das erfrischend Außergewöhnliche?

Ich finde, das gehört zu einem lebendigen Leben einfach dazu! Nicht im Sinne einer Erwartung im Forderungsmodus so nach dem Motto, wenn das jetzt nicht eintritt, dann ist alles Mist, aber doch als Möglichkeit! Als Möglichkeit und als Chance, deren Verwirklichung leichter ist, wenn wir bereit dafür sind.

Denn Wünsche im Horizont der Möglichkeiten werden leichter wahr als Wünsche, die wir uns nicht mal zu träumen erlauben. Also habe ruhig Erwartungen, Träume und ja, auch Vorfreude in Bezug auf das, was möglicherweise kommen mag.

Allemal zielführender, als gar nichts zu erwarten, erscheint mir die Frage, wie wir damit umgehen, wenn unsere Erwartungen einmal keine oder eine ganz andere Art der Erfüllung finden, als wir es uns erhofft haben. Sind wir dann enttäuscht oder gar furchtbar traurig oder sind wir bereit, auch diese Realität anzunehmen und das Beste aus ihr zu machen?

 

So, das waren die drei Haltungen, die ich in diesem Artikel etwas ausführlicher mit dir teilen wollte. Im Folgenden findest du weitere Haltungen, die zu einem glücklicheren Leben viel beitragen.

 

 

Sieben weitere hilfreiche Haltungen mit denen du glücklicher wirst

1. Freue dich gerade in schlechten Zeiten über deine Erfolge, auch wenn sie dir klein erscheinen.

Es mag dir vielleicht lächerlich vorkommen, wenn du dich zum Beispiel darüber freust, dass du dich am Morgen an deine Arbeit gesetzt hast. Aber es tut dir vor allem in schlechten Zeiten gut, dich bewusst darüber zu freuen und dich dafür laut zu loben.

Übung: Beende jeden Tag mit einem Resümee über deine Erfolge. Finde mindestens drei. Sie werden einem gesunden Schlaf ganz gewiss förderlicher sein als Grübeleien über Missgeschicke.

 

2. Kultiviere eine dankbare Lebenshaltung.

Viele Dinge, die wir oft als selbstverständlich erachten, sind es nicht. Viel zu selten vergegenwärtigen wir uns, worüber wir dankbar sein können:

  • über einen Partner, der vertrauenswürdig ist
  • am Morgen gesund aufzustehen
  • für die Hilfe des Kollegen
  • über die richtig interessante Sendung auf der Heimfahrt
  • für ein Dach über dem Kopf

Übung: Überlege dir vor dem Einschlafen mindestens fünf Dinge, für die du an diesem Tag dankbar bist.

 

3. Gewöhne dir an, wertschätzend mit dir zu reden.

Denk daran, wertschätzend mit dir umzugehen, wertschätzend mit dir zu reden. Auch und gerade dann, wenn dir etwas misslungen ist. Behandle dich stets wie einen guten Freund. Verzichte daher konsequent auf herabwürdigende Dialoge mit dir selbst.

 

4. Hilf auch anderen, glücklicher zu werden.

Vielleicht hat auch dir jemand diese Verse ins Poesiealbum geschrieben oder du kennst ihre Botschaft in anderen Worten: „Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Aktuelle Studien bestätigen diese Einsicht.

 

5. Habe eine Vision für dein Leben und für das, was du tust.

Erkenne den übergreifenden Sinn in deinem Tun oder gib ihm einen. Habe einen Lebenssinn. Sinnorientierung gehört zu den bedeutsamsten Faktoren des Glücks. Und vergiss auch im Alltag deine Träume nicht. Sie nähren deine Seele.

 

6. Lerne, Unerreichbares loszulassen.

Setz dir starke, motivierende Ziele, aber lerne auch, Unerreichbares loszulassen. Das kann dich ungemein befreien.

 

7. Behalte öfter den Fokus im Hier und Jetzt.

Sorge dich weniger um die Zukunft. Vieles kannst du ohnehin nicht beeinflussen. Lebe öfter ganz bewusst im Moment und achte auf seine Möglichkeiten.

 

Vielleicht findest du weitere Haltungen, mit denen du bereits dein Leben glücklicher gestaltest? Mit welchen hast du schon gute Erfahrungen gemacht? Teile sie gerne im Kommentarbereich am Ende des Beitrags.

 

 

 

Warum du glücklicher wirst, wenn du für dein Glück mehr auf innere Haltungen setzt

Wenn es dir mittels innerer Haltungen nach und nach immer besser gelingt, aus dir selbst heraus glücklicher zu werden, indem du zum Beispiel den Blick eher auf das Positive lenkst als auf das Negative, Chancen erkennst, dich deinen Gefühlen und Gedanken nicht einfach auslieferst, deinem Leben und Tun ganz bewusst einen Sinn gibst, machst du dich ein gutes Stück weit unabhängiger von äußeren Ereignissen und anderen Menschen. Dein Glück hängt dann nicht mehr so stark von Faktoren ab, auf die du wenig bis keinen Einfluss hast.

Auch so lässt sich Glück zwar nicht erzwingen, aber in einem gewissen Rahmen sehr wohl gestalten – und besser genießen.:-)

 

Glücklich zu werden mit einem glücksförderliches Mindset ist also eine Kunst, …

  • die dir deine Möglichkeiten bewusst macht oder sogar neue schafft.
  • ein Ausdruck von Freiheit und nicht wie viele äußere Lebensumstände vor allem dem Zufall geschuldet.
  • die erlernt werden kann und damit keine zufällige Glückssache ist, sondern ein Beitrag zu sinnvoller Lebenskunst.

 

 

Bild: PixelwunderByRebecca

4 Antworten

  1. Luisa
    | Antworten

    Ja, ein “ehrliches Lächeln” zwischendurch, vor anderen oder nur für mich, kostet so wenig und tut doch so gut.
    Und ja, ich möchte bereit für das “erfrischend Außergewöhnliche” sein, ohne das Glück erzwingen zu wollen.
    Es gibt so viele kleine Möglichkeiten dazu, jeden Tag.
    Dafür wünsche ich mir und allen wache Sinne.
    Luisa

    PS: Mir hilft es auch, am Beginn und Ende des Tages ein paar ruhige Minuten auf dem Balkon mit Blick in die Natur oder Sterne zu verbringen. Da habe ich Zeit, all das Erlebte und meine insgesamt doch glückliche Lage auf mich wirken und sacken zu lassen.

    • Dr. Manuela Sekler
      | Antworten

      Liebe Luisa,
      vielen Dank für den schönen Kommentar.
      Da geht mir richtig das Herz auf.:-)
      Alles Liebe
      Manuela

  2. Jürgen Köster
    | Antworten

    Ich finde, du bringst ziemlich gut rüber, was es heißt, an seiner inneren Haltung zu arbeiten und dass es dabei nicht um schnelle Erfolge geht. In diesem Zusammenhang finde ich es sehr gut, dass du als Glücksbooster Nr.1 gleich darauf aufmerksam machst, dass man Glück nicht erzwingen kann und deshalb eben gerade nicht in eine solche Zwangshaltung verfallen sollte. Alles Weitere gibt dann genau im Kontext einer solch unverkrampften Haltung einen Sinn.

    Beim Glücksbooster Nr. 3 musste ich spontan an ein Zitat denken, das Albert Einstein zugeschrieben wird: “Nur wer von Herzen negativ denkt, kann positiv überrascht werden.” Sollte Einstein das tatsächlich gesagt haben, dann war er – so genial er als Physiker war – sicher kein guter Lebensberater. Deine Haltung zum Thema positiv denken gefällt mir da wesentlich besser, wobei man das Einstein-Zitat natürlich durchaus als einen Kontrapunkt zu einer oberflächlichen positiv-thinking-Haltung sehen kann, die ja tatsächlich nicht zu befürworten ist.

    Bei den folgenden sieben Haltungen findet sicher jeder etwas, woran er arbeiten kann. Ich selbst könnte beispielsweise sicher noch etwas daran arbeiten, mich auch über Kleinigkeiten zu freuen – also an den Haltungen 1 und 2.

    Es ist immer wieder interessant, deine Beiträge zu lesen. 🙂

    • Dr. Manuela Sekler
      | Antworten

      Lieber Jürgen,

      herzlichen Dank für das Kompliment und für deinen differenzierten Kommentar.
      Schön auch, dass du aus dem Artikel etwas für dich mitnehmen kannst.

      Den Hinweis auf das Albert Einstein zugeschriebene Zitat finde ich sehr interessant und deine Einschätzung teile ich.
      Oberflächliches und zwanghaftes positives Denken ist wirklich nicht zu befürworten.
      Umso mehr freue ich mich, dass dir meine Haltung in diesem Punkt besser gefällt als diejenige im Einstein-Zitat.:-)

      Alles Liebe
      Manuela

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