Dein inne­rer siche­rer Ort bei Stress und Co.

Dein inne­rer siche­rer Ort bei Stress und Co.

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Die innere Mitte nach Belas­tun­gen zurück­ge­win­nen

Viel­leicht hast du auch schon ein­mal die Erfah­rung gemacht, dass es uns enorm ent­las­tet, wenn wir die Fähig­keit haben, unse­ren Gedan­ken, Gefüh­len und Hand­lun­gen nicht ein­fach aus­ge­lie­fert zu sein wie ein Fähn­chen im Wind. Wenn wir dazu in der Lage sind, uns selbst — unser Den­ken, Füh­len und Han­deln — auch bei Stress und Kri­sen weit­ge­hend unter Kon­trolle zu haben. Ein inne­rer siche­rer Ort bie­tet hier­für eine Mög­lich­keit, weil er prin­zi­pi­ell der eige­nen Kon­trolle und Steue­rung unter­liegt. Unge­ach­tet der Stürme da drau­ßen oder im Innern. Ob nun wegen der Arbeit, der Bezie­hung oder noch etwas Ande­rem.

Es ist gut erforscht, dass es eine zen­trale psy­chi­sche Res­source für Wohl­be­fin­den und für ein erfolg­rei­ches Leben ist, wenn wir uns auch in belas­ten­den Situa­tio­nen steu­ern kön­nen. Wenn wir unse­ren Glau­ben an unsere eige­nen Kräfte soweit wie mög­lich bewah­ren.

Denn so las­sen sich Stress und Her­aus­for­de­run­gen, die in der einen oder ande­ren Form uns alle betref­fen, viel bes­ser bewäl­ti­gen. Selbst­ver­ständ­lich schließt dies nicht aus, dass es manch­mal hilf­reich oder not­wen­dig ist, sich unter­stüt­zende Beglei­tung von außen zu holen.

Was kön­nen sol­che Her­aus­for­de­run­gen, die ich hier meine, sein? Mög­lich­kei­ten gibt es viele. Zum Bei­spiel die Tren­nung vom Part­ner und dar­aus resul­tie­ren­der Lie­bes­kum­mer, den Ver­lust des Arbeits­plat­zes, eine Erkran­kung oder auch eine schmerz­li­che mensch­li­che Ent-Täu­schung.

Eine andere, häu­fig beklagte Her­aus­for­de­rung, ist von Zeit zu Zeit über­las­ten­der Stress im All­tag. (Falls er schon fast die Regel ist, sind natür­lich bestimmte wei­ter­ge­hende Kon­se­quen­zen fäl­lig. Ein eige­nes Thema.)

Oder etwa ein beson­de­res beruf­li­ches “High­light” wie ein Vor­trag vor ver­sam­mel­tem Audi­to­rium, wenn du intro­ver­tiert bist. Auch hier kann ein inne­rer siche­rer Ort die Res­source der Wahl sein.

Viel­leicht hast auch du aktu­ell etwas, das in dir Sehn­sucht nach Ent­span­nung und men­ta­ler Ent­las­tung wach­ruft?

 

 

Erschaffe dir einen inne­ren siche­ren Ort

Egal, ob nun aktu­ell etwas Bestimm­tes vor­liegt oder nicht, kön­nen wir sehr davon pro­fi­tie­ren, wenn wir eine Tech­nik ken­nen und beherr­schen, die uns an einen eige­nen inne­ren Ort bringt, an dem wir uns fal­len las­sen und zumin­dest für einige Zeit men­tal und kör­per­lich ent­span­nen kön­nen. An dem wir Ruhe fin­den und neue Kraft.

Wie wäre es, wenn du einen sol­chen inne­ren Ort jeder­zeit zur Ver­fü­gung hät­test, an den du gehen könn­test, wann immer dir danach ist? An den du gehen könn­test, wann immer du das Gefühl hast, ich kann nicht mehr. Ich muss raus aus der Situa­tion, um Abstand zu gewin­nen und um auf neue Gedan­ken zu kom­men. Oder wenn du fühlst: Ich habe sol­che Angst vor dem Audi­to­rium zu spre­chen und brau­che erst­mal einen inne­ren Raum, an dem ich mich wie­der beru­hige …

Wie ist es bei dir? Kennst du die eine oder andere Situa­tion? Und glaubst du, es könnte ent­las­tend für dich sein, dir einen sol­chen inne­ren siche­ren Ort zu erschaf­fen? Der dir bei Bedarf neue Kraft ver­leiht und damit dein Leben leich­ter, schö­ner und letzt­lich auch erfolg­rei­cher macht?

 

 

Dein inne­rer siche­rer Ort als wert­volle Res­source für mehr Ener­gie und krea­tive Stress­be­wäl­ti­gung

Ob du dich dabei von einem rea­len Ort, bei­spiels­weise einer ein­sa­men Feri­en­in­sel, inspi­rie­ren lässt oder von dei­ner Fan­ta­sie, spielt keine Rolle. Wich­tig ist nur, dass er zu einer ver­läss­li­chen Größe in dei­nem Inne­ren wird und du ihn bei Bedarf jeder­zeit abru­fen kannst.

Jetzt fragst du dich viel­leicht: Und wie funk­tio­niert eine sol­che Reise an einen inne­ren Ort? Wie ent­steht er und wie kann ich an die­sen siche­ren inne­ren Ort immer dann gelan­gen, wenn mir danach ist? Wie schaffe ich es, ihn her­bei­zu­ho­len, wann immer ich ihn gut für mich und mein Wohl­be­fin­den brau­chen kann?

Im Fol­gen­den stelle ich dir eine Ima­gi­na­ti­ons­übung vor, mit der du dir dei­nen ganz per­sön­li­chen inne­ren Ort kre­ierst.

Ursprüng­lich wurde die Übung im Kon­text der Trau­ma­the­ra­pie kon­zi­piert, ist jedoch auch für andere Situa­tio­nen sehr hilf­reich. Die Ima­gi­na­tion als sol­che erfor­dert ein wenig Kon­zen­tra­tion und meh­rere Wie­der­ho­lun­gen, bis sie im Prin­zip jeder­zeit abge­ru­fen wer­den kann.

Wenn du es gut mit dir meinst und das Enga­ge­ment auf­bringst, ein wenig Zeit und Ener­gie in diese innere Reise zu inves­tie­ren, gewinnst du eine wert­volle Res­source für Kri­sen und Her­aus­for­de­run­gen. Du erhältst ein Werk­zeug, mit dem du dich selbst unter­stüt­zen kannst. Mit dem du auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen mög­lichst selbst­wirk­sam bleibst und neue Ener­gie tankst.

 

 

Dein inne­rer siche­rer Ort: Anre­gun­gen für die Reise

Leg dich bequem hin und schließe deine Augen.

Atme ruhig ein und aus. Mit jedem Aus­at­men gelangt dein Kör­per noch tie­fer in die Ent­span­nung.

Begib dich nun in Gedan­ken an einen siche­ren und schö­nen Ort, an dem du dich so rich­tig wohl und gebor­gen fühlst.
Wie bereits ange­deu­tet: Es ist egal, ob es ein rea­ler oder fik­ti­ver Ort ist.

Wich­tig ist, dass du dich ganz fal­len las­sen kannst.

Viel­leicht ist es ein Ort am Meer, viel­leicht liegt er in den Ber­gen oder auf einer grü­nen Wiese mit blauen Blu­men darin. Viel­leicht sieht er auch ganz anders aus … Was siehst Du?

Es gibt viele Mög­lich­kei­ten.

Alles ist rich­tig, solange du dich an die­sem Ort wohl­fühlst.

 

Wenn du also an dei­nem inne­ren siche­ren Ort ange­kom­men bist, schau dich in Ruhe dort um und nehme wahr:

Wie sieht es an ihm aus?
Wel­che Far­ben sind zu sehen?
Was hörst du?
Wie genau klingt es?
Was fühlst du?
Was riechst du?

 

Genieße deine innere Reise mit allen Sin­nen, lass die Ein­drü­cke auf dich wir­ken und spei­chere sie in dei­nem Innern sorg­fäl­tig ab. Idea­ler­weise gibst du die­sem Ort einen Namen, an den du dich auch spä­ter erin­nerst.

Wenn du dich bereit dafür fühlst, komme wie­der zurück in die Wirk­lich­keit.

Atme noch ein­mal tief und bewusst durch und stre­cke dich. Wenn du dann soweit bist, öffne lang­sam wie­der die Augen.

 

 

Dein inne­rer siche­rer Ort will ver­an­kert wer­den: Habe Geduld oder impro­vi­siere

Nimm die genann­ten Schritte als Anre­gung und wie­der­hole die Ima­gi­na­ti­ons­übung mög­lichst oft.

Nach einer für dich aus­rei­chen­den Zahl von Wie­der­ho­lun­gen, das kön­nen durch­aus zehn oder mehr sein, ste­hen die Chan­cen sehr gut, dass dir dein Orga­nis­mus die gewünsch­ten Gefühle von Ruhe und Gebor­gen­heit schenkt, wann immer du dei­nen inne­ren siche­ren Ort auf­rufst.

Am ein­fachs­ten funk­tio­niert es, wenn du an den Namen denkst, den du dei­nem inne­ren Ort gege­ben hast. Der Name hilft dir, den Ort sofort und umfas­send zu erin­nern.

Wenn sich bei dir trotz genug Wie­der­ho­lun­gen die erwünsch­ten Gefühle nicht ein­stel­len oder du bei der Ima­gi­na­tion als sol­cher Pro­bleme hast, mach dir keine Sor­gen. Dann kannst du dich für deine innere Reise ent­we­der pro­fes­sio­nell unter­stüt­zen las­sen, indem dich bei­spiels­weise ein The­ra­peut bei der Ima­gi­na­tion anlei­tet oder du suchst dir ein­fach eine andere Mög­lich­keit, dich in schwie­ri­gen Situa­tio­nen inner­lich zu ent­span­nen.

Eine Kli­en­tin hat mir etwa erzählt, dass sie einen inne­ren siche­ren Ort für sich fin­det, wenn sie sich ganz tief in eine ihrer Lieb­lings­me­lo­dien ver­senkt. Ein Bekann­ter fin­det sei­nen inne­ren und äuße­ren Rück­zugs­ort auf sei­nem eigent­lich aus­ran­gier­ten blauen Sofa. Das habe ihm schon oft in Kri­sen­si­tua­tio­nen innere Ruhe und Gelas­sen­heit wie­der­fin­den las­sen…

Du siehst, es gibt die Mög­lich­keit zu impro­vi­sie­ren und Alter­na­ti­ven. Was ich begrüße. Und doch möchte ich dir ans Herz legen, dir die oben beschrie­bene Übung anzu­eig­nen. Sie in dei­nen per­sön­li­chen Res­sour­cen­kof­fer für her­aus­for­dernde Lebens­la­gen ein­zu­pa­cken.

Doch nicht nur dafür kann die Übung des inne­ren siche­ren Orts hilf­reich sein. Viel­leicht dient sie dir auch ganz ein­fach in hek­ti­schen Zei­ten dei­nes All­tags zur Ent­span­nung oder ver­hilft dir zu einem wohl­tu­en­de­ren Schlaf.

Wofür auch immer im Ein­zel­nen. Die Übung kann aus mei­ner Sicht ein über­aus wirk­sa­mer Bau­stein für krea­ti­ves Selbst­ma­nage­ment sein.

 

Ich wün­sche dir von Her­zen einen inne­ren siche­ren Ort, der dich in belas­ten­den Situa­tio­nen wie­der in deine Mitte bringt und dir neue Kraft schenkt.

Lass mich im Kom­men­tar­be­reich gerne wis­sen, wie du mit der Übung klar gekom­men bist und wel­che Erfah­run­gen sie dir geschenkt hat.

 

 

Bild: Hans Brax­meier

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