Ech­te Sou­ve­rä­ni­tät: 3 Kenn­zei­chen

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Ak­tua­li­siert am 6. Ju­li, 2021 von Ma­nue­la

Was ech­te Sou­ve­rä­ni­tät nicht ist

Es gibt Men­schen, die sich dann für sou­ve­rän hal­ten, wenn sie in je­der Si­tua­ti­on cool blei­ben und kei­ne wah­ren Ge­füh­le zei­gen. Wenn sie kei­ner­lei Schwä­che zu­ge­ben und es schaf­fen, so zu wir­ken, als ob sie Herr über je­de La­ge wä­ren und ih­ren per­sön­li­chen Fo­kus stets dar­auf le­gen, gut da­zu­ste­hen, bel­la fi­gu­ra zu ma­chen. Sie sind nicht echt sou­ve­rän.

Tun sie sich ei­nen Ge­fal­len da­mit? Ich glau­be nicht. Denn auf die lan­ge Sicht geht es dar­um, sich wirk­lich sou­ve­rän und ein­ver­stan­den zu füh­len, mit dem, was man tut. Was nicht heißt, dass es nicht Spiel­raum für Ent­wick­lung gibt. Und wer übt, kann noch nicht Meis­ter sein. Doch das ist ein an­de­res The­ma.

War­um ist ech­te Sou­ve­rä­ni­tät wich­ti­ger als die rei­ne Wir­kung? Aus meh­re­ren Grün­den. Ei­ner da­von ist schlicht der, dass sou­ve­rän zu wir­ken, oh­ne sich so zu füh­len bzw. echt sou­ve­rän zu sein, ziem­lich an­stren­gend und auf Dau­er kaum mög­lich ist. Ein an­de­rer ist die man­geln­de In­te­gri­tät des Be­tref­fen­den, der wie­der­um nicht oh­ne nach­tei­li­ge Wir­kung auf al­le Be­tei­lig­ten bleibt – vor al­lem auf ihn selbst.

 

 

3 Kenn­zei­chen ech­ter Sou­ve­rä­ni­tät

Doch was ver­ste­he ich hier un­ter ech­ter Sou­ve­rä­ni­tät? Ich ver­su­che die Es­senz in drei Kenn­zei­chen zu­sam­men­zu­fas­sen.

  1. Ech­te und nach­hal­ti­ge Sou­ve­rä­ni­tät ist nur mit ei­nem Min­dest­maß an Of­fen­heit und Ehr­lich­keit ge­gen­über den ei­ge­nen Ge­füh­len und in an­ge­mes­se­ner Au­then­ti­zi­tät ge­gen­über an­de­ren mög­lich, da es sonst kei­ne trag­fä­hi­ge Be­zie­hung gibt – we­der zu sich selbst noch im Pri­va­ten, zu Ge­schäfts­part­nern, Zu­hö­rern oder Kun­den.
  2. Sou­ve­rä­ni­tät be­inhal­tet, in mög­lichst frei­er Über­ein­stim­mung mit sei­nen Wer­ten und Ge­füh­len zu le­ben, oh­ne sich von letz­te­ren über­flu­ten zu las­sen. Je­doch auch oh­ne sie in un­ge­sun­der Wei­se zu ver­drän­gen. Höchs­tens mal kurz­fris­tig. Wer­te und per­sön­li­che Un­ab­hän­gig­keit wer­den ge­wahrt und nicht gleich auf­ge­ge­ben, wenn es schwie­rig wird.
  3. Ein wich­ti­ges Kenn­zei­chen für ech­te Sou­ve­rä­ni­tät be­steht nicht zu­letzt dar­in, an­de­ren Men­schen den glei­chen Re­spekt zu er­wei­sen wie sich selbst. Denn ech­te Sou­ve­rä­ni­tät im­pli­ziert ge­ra­de nicht, sich an­de­ren ge­gen­über über­le­gen zu füh­len. Das ha­ben echt sou­ve­rä­ne Men­schen gar nicht nö­tig. So sieht es auch der be­kann­te Busi­nes­s­phi­lo­soph Sté­pha­ne Etril­lard.

All das spie­gelt sich idea­ler­wei­se in der Kom­mu­ni­ka­ti­on wi­der – ob im Pri­va­ten, Be­ruf­li­chen oder Po­li­tisch-Ge­sell­schaft­li­chen.

Na­tür­lich gibt es in die­sen Be­rei­chen un­ter­schied­li­che Gra­de der Kom­mu­ni­ka­ti­on, Au­then­ti­zi­tät und Of­fen­heit. Und doch gibt es zen­tra­le Ge­mein­sam­kei­ten und ei­ne be­stimm­te grund­sätz­li­che Sicht auf das The­ma, die ich sehr wich­tig fin­de. Und dar­auf hebt die­ser Bei­trag vor al­lem ab – nicht auf spe­zi­fi­sche De­tails und kon­text­be­zo­ge­ne Un­ter­schei­dun­gen, die ja durch­aus ih­re Be­rech­ti­gung ha­ben.

 

 

Was folgt dar­aus für ei­ne echt sou­ve­rä­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on?

 

Echte Souveränität - darauf kommt es an!Ein sou­ve­rä­ner Mensch legt sei­nen Fo­kus nicht dar­auf, ein­fach nur selbst­be­wusst zu wir­ken und selbst­si­cher auf­zu­tre­ten, son­dern er ist über­zeugt von dem, was er zu sa­gen hat. Und vor al­lem bringt er ech­te Em­pa­thie für sein Ge­gen­über auf.

Dies will ich kei­nes­falls als Wi­der­spruch da­zu ver­stan­den wis­sen, dass ei­ne Be­ra­tung oder ein ge­eig­ne­tes Selbst­si­cher­heits­trai­ning bei­spiels­wei­se für eher

schüch­ter­ne oder für in­tro­ver­tier­te Men­schen nicht trotz­dem sinn­voll sein kön­nen. Oder ganz all­ge­mein vor ei­ner be­son­de­ren Her­aus­for­de­rung wie et­wa ei­nem schwie­ri­gen Ge­spräch.

Echt sou­ve­rän zu kom­mu­ni­zie­ren heißt vor al­lem, au­then­tisch und glaub­wür­dig zu sein und nicht nur auf ei­ne be­stimm­te Wir­kung be­dacht. Den Fo­kus auf be­stimm­te Wir­kung zu rich­ten, oh­ne zu dem da­hin­ter­lie­gen­den In­halt zu ste­hen bzw. gar kei­nen be­stimm­ten In­halt zu ver­tre­ten, wird frü­her oder spä­ter nicht nur vom Pu­bli­kum oder Ge­sprächs­part­ner durch­schaut, son­dern führt, wie be­reits oben an­ge­deu­tet, zu mas­si­ven In­te­gri­täts­pro­ble­men. Auch sie wer­den über kurz oder lang – da bin ich si­cher – in der ei­nen oder an­de­ren Wei­se auf den Red­ner zu­rück­fal­len. Ge­nau­so wird auf ihn zu­rück­fal­len, wenn er nicht wil­lens ist, sei­nen Ge­sprächs­part­nern oder Zu­hö­rern die ih­nen ge­büh­ren­de Wert­schät­zung zu schen­ken. Ganz be­son­ders in un­se­rer Zeit ab­neh­men­der Hier­ar­chien.

 

Zu gu­ter Letzt:

Für ech­te Sou­ve­rä­ni­tät spre­chen kei­nes­falls ei­ne zur Schau ge­stell­te (Pseudo-)Überlegenheit und Do­mi­nanz, son­dern viel mehr die Ge­las­sen­heit ei­nes Men­schen, der ne­ben sei­nen Zie­len sei­ne Stär­ken und Schwä­chen kennt und die Zie­le an­de­rer in an­ge­mes­se­ner Wei­se be­rück­sich­tigt. Der mit sich im Rei­nen ist und der weiß, dass Kom­mu­ni­ka­ti­on kei­ne one-man-show ist.

 

 

Bild: ge­r­alt

2 Responses

  1. Manuela Sekler
    | Antworten

    Lie­ber Jörg,

    ech­te Sou­ve­rä­ni­tät, die maß­vol­le Au­then­ti­zi­tät ein­schließt, setzt aus mei­ner Sicht vor al­lem vor­aus, dass man sich für sie ent­schei­det, be­wusst so le­ben möch­te und das dann bei den sich da­für bie­ten­den Ge­le­gen­hei­ten übt.

    Wenn du kon­kret vor ei­ner Her­aus­for­de­rung stehst, bei der du sou­ve­rän und mög­lichst au­then­tisch sein willst, könn­test du dich fra­gen, wann es dir zu­letzt ge­lun­gen ist, so zu sein bzw. zu han­deln und dich in die­se Si­tua­ti­on mög­lichst de­tail­liert zu­rück­ver­set­zen. Das gibt dir Im­pul­se und Mut für die ak­tu­el­le Her­aus­for­de­rung und stärkt den Glau­ben an dei­ne Selbst­wirk­sam­keit.

    Herz­lichst
    Ma­nue­la

  2. Jörg
    | Antworten

    Ich stim­me voll­kom­men zu.
    Und wenn es ge­lingt, fühlt es sich be­stimmt wun­der­bar an, so wie ei­ne Um­ar­mung ei­nes ech­ten Freun­des.
    Doch wo­her neh­me ich die Kraft und den Mut, auf die­se Art au­then­tisch zu sein?

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